19 Stunden

Beagle sind Jagdhunde......!!!

Was heißt das eigentlich ?! Nun ja, sie verfolgen eine Wildspur, recht nachhaltig und hartnäckig. Wie alles was sie sich in den Kopf gesetzt haben. Aber doch nicht die Jule, die hier so ruhig und mütterlich ihre Welpen versorgt. Doch, doch, genau diese Jule. 21.1.08__3__1024x1024_500KB.jpg

Anfang November, waren wir verabredet mit den Beaglern unserer Landesgruppe in Bad Rothenfelde. Wir reisten einen Tag später mit unseren Mädels an, da wir einen Polterabend von Freunden nicht verpassen wollten. Auf dem Parkplatz vor dem Hotel angekommen, ließen wir die beiden spontan aus dem Auto, brachten noch schnell unser Gepäck aufs Zimmer und beobachteten allerdings ins eigene Gespräch vertieft, wie die Hunde sich begrüßten und miteinander spielten.

Dann irgendwann nahm Jule die Nase hoch, dann wieder suchend nach unten und war in den angrenzenden Wald verschwunden. Inca sofort hinterher. Zunächst ganz entspannt waren unsere Kommentare „Die kommen gleich wieder“, „Das kennen wir“, „ Sie haben eine Spur in der Nase“. Nach einer halben Stunde machten wir uns dann natürlich doch auf den Weg, um den unbekannten Wald abzusuchen. Ein unmögliches Vorhaben. Wir hörten keinen Spurlaut, den unsere Ausreißer normalerweise von sich geben, dafür aber Schüsse aus der Ferne. Vor uns sprangen immer wieder Rehe hoch.

Bei Einbruch der Dunkelheit versuchte ich über die Polizei an eine Telefonnummer des Jagdaufsehers zu kommen. Die Polizei war für mich Orts kundig, im Gegensatz zu mir, und so erhoffte ich mir Hilfe. Doch leider bekam ich mitten im Wald stehend nur Ortsnamen genannt, mit denen ich nichts anfangen konnte, die mir keine weitere Orientierung gaben. Wie konnte ich die Jäger informieren über meinen strafbar, durch meine Schuld freilaufenden Hund ? 3.3.06__66__1024x1024_500KB.jpg

Schließlich meldete sich auf meinem Handy eine Spaziergängerin, die unsere Inca aufgegriffen hatte. Unsere Hunde tragen meine Handy Nummer sichtbar auf dem Halsband. Sie war ca. 5 km entfernt und brachte sie zum Hotel. Dort schilderte sie, dass Inca sich nur widerwillig „abführen“ ließ, wahrscheinlich war Jule zu diesem Zeitpunkt noch in ihrer Nähe.

Wir versuchten unsere Suche bei absoluter Dunkelheit durch die Scheinwerfer unseres Autos zu unterstützen. Dabei geriet ich in meiner Panik beim Wenden in ein Feld, aus dem ich nicht mehr herauskam. „Wir müssen abbrechen“, höre ich meinen Mann sagen,“ sie wird sich irgendwo hingelegt haben“. Es war November, regnete, war kalt und meine Jule mag noch nicht einmal auf dem nackten Steinboden liegen.

Im Hotel ging es mir nicht besser.

Bei dem Versuch meines Mannes mir doch noch etwas zu Essen aufs Zimmer zu bringen, stürzte er mit einem Teller Tiramisu, Rote Grütze und Mousse au chocolat die Treppe hinauf gegen eine Glaswand. Der Nachtisch klebte jetzt dort, mein Mann hat sich zum Glück nicht verletzt.

Die Nacht war furchtbar, ich hoffte nur auf den Anbruch des Tages. Dann wollte ich wieder los in den Wald. Abends hatte ich bereits meine Socken an einen Baum gebunden, wo ich Jule verloren hatte. (Hundebesitzer wissen, dass man so die Hoffnung hat, dass der Hund an diese Stelle wieder zurück findet.) Die Hundedecke neben das Auto gelegt.

Am Sonntag um 8h habe ich dann den Förster angerufen, der am Abend zuvor von der Hotelleitung ausfindig gemacht worden war und über den frei laufenden Beagle informiert wurde. Er beruhigte mich, dass sie keine Hunde schießen würden, das komme immer wieder mal vor, dass sich Hunde unangeleint im Wald befänden. Er half meinem Mann unser Auto aus dem Feld zu ziehen, während ich Telefonnummern der Tierärzte ausfindig machen wollte.

Die Telefonnummer von Tasso hatte ich bereits gewählt, als die Rezeptionistin an meine Zimmertür anklopfte und einen Beagle auf dem Arm hatte. „ Ist das der Hund, den sie gesucht haben !?“ „Ja, das ist Jule, wo haben sie sie gefunden ?“ „Sie ist in die Hotel-Rezeption gelaufen.“

Jule war weder verstört, noch verdreckt oder eiskalt oder vielleicht verletzt, wie ich es mir in meinen schlimmsten Träumen ausgemalt hatte. Sie raste über die Betten, begrüßte Inca stürmisch, ging an den Wassernapf und legte sich in ihr Körbchen.

Sie war wieder da.... nach 19 Stunden. 12.11.07__5__1024x1024_500KB.jpg

Sie hat uns nie erzählt, wo sie war, wir werden es nicht erfahren.

Am nächsten Tag zu Hause war sie müde, hatte auch tagelang noch Muskelkater und war läufig. Scherzhaft hieß es dann, sie war wohl aus um ihren Junggesellinnenabschied zu feiern, ohne uns.

Es war schrecklich. Sie selbst hat in einer fremden Umgebung wieder zu uns gefunden. Wir hätten sie nicht finden können.

Sie wirkt so ruhig und mütterlich, wenn sie jetzt in ihrer Wurfkiste liegend ihre Welpen versorgt. Dabei darf man jedoch nie vergessen, dass sie ihrer Passion – dem Jagen – ebenso gerne nachgeht.

Wir versuchen mit ihr daran zu arbeiten, denn wir werden es ihr nicht abgewöhnen können.

Martina Leonhardt mit Inca und Jule

 

28.12.2010: Eine Neue Geschichte über Jule habe ich  `Eiseinbruch´  genannt!